4 Tage Sesshin im September

Ich freue mich sehr, gemeinsam mit Zen Lehrer Paul Düren und Yoga-Lehrer Eric Czotscher (u.a. Autor von „Yoga-Tools für Super-Manager“) ein 4 Tages Sesshin im Zendo „Raum für spirituelle Wege“ durchzuführen. 

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es neben der Übung auf dem Kissen sinnvoll ist, begleitende Wege zur Beruhigung der vielfältigen Unruhequellen in uns einzuschlagen. 

In diesem besonderen Sesshin wollen wir daher neben Zazen und Kinhin, Übungen aus dem MBSR, Qi Gong, Yoga und der Chakren-Arbeit integrieren. 

Die Übungen sollen uns helfen, mit den mal größeren, mal kleineren inneren “Plagegeister“, die uns begegnen, wenn wir auf unserem Kissen zur Meditation sitzen, umzugehen.
Unmittelbar nach den vorbereitenden Übungen werden wir in die Stille des Sitzens einzutauchen.

Anmeldungen gerne direkt an Paul Düren (paul.dueren@t-online.de). Weitere Infos finden sich in dem anliegenden Flyer.

Der Kurs startet am 15.09.21 um 17:30. Ende ist am 19.09.21 um 13:00. Nach Absprache ist ggf. ein späterer Einstieg möglich. 

Voraussetzung für die Teilnehme sind Erfahrungen mit dem Sitzen in Stille.

Für Fragen stehe ich auch gerne zur Verfügung.

Infoflyer Sesshin 15.09.-19.09. herunterladen

(Bild: Paul Düren / Plagegeist vor dem Tempel der STILLE)

Achtsamkeits-ABC

Ich freue mich gerade sehr, dass der Online-Kurs „Achtsamkeits-ABC“ , den ich gemeinsam mit Karl Hosang und Johanna Schuck konzipiert habe, Gestalt annimmt und jetzt Anmeldungen möglich sind. Der Kurs soll allen Menschen, die sich mit den Grundlagen der Achtsamkeit vertraut machen wollen, einen ersten Überblick und mit vielen kleinen und größeren Übungen einen Einstieg verschaffen. Er ist aber auch für alle gedacht, die sich wieder einmal mit dem Thema und der Praxis verbinden wollen. 
https://karlhosang.de/online-kurs/courses/achtsamkeit-abc/

Am 14. und 15. Oktober werden Karl Hosang und ich dann Mindfulness, Creativity, Leadership in einem Erfahrungsworkshop an einem tollen Ort zusammenbringen. Mehr dazu demnächst. Interessensbekundungen und Vorschläge sind willkommen. 😊🙏 

Und als kleine Erinnerung: Am Donnerstag den 24.06.2021 findet,  wie jeden letzten Donnerstag im Monat, um 19:00 die nächste kostenfreie Heartfulness Meditation statt. Ich freue mich über Anmeldungen, eine spontane Teilnahme ist jedoch auch möglich.

Anmeldung per Mail, über die Kontaktseite oder direkt mit dem Link zur Teilnahme:
https://fairmeeting.net/HeartfulnessMeditation

Heartfulness Meditation im Mai – für Kurzentschlossene 😊

HEUTE am 27.05.2021 findet, wie jeden letzten Donnerstag im Monat, um 19:00 die nächste kostenfreie Heartfulness Meditation statt. 

Diesmal werden wir eine Meditation aus dem Chan üben. Chan ist die chinesische Urform des Zen Buddhismus. Ich habe diese Form durch den Chan-Meister Hsin Tao kennengelernt. In vier angeleiteten Schritten kommen wir in die Stille. Die Meditation und die vier Schritte sind universell und völlig unabhängig von irgendwelchen religiösen Ansichten oder Richtungen. 

Ich freue mich über Anmeldungen, eine spontane Teilnahme ist jedoch auch möglich.

Anmeldung per Mail, über die Kontaktseite oder direkt mit dem Link zur Teilnahme:

https://fairmeeting.net/HeartfulnessMeditation

Anbei die Übersicht über die geplanten Termine für 2021 (jeweils 19:00 Uhr):


24. Juni  
26. August             
30. September         
28. Oktober             
24. November (MITTWOCH!!!!) 
23. Dezember         

Gerne kann ich auch eine Einladung als Serientermin für den Kalender senden. Dazu einfach kurz per Mail anfragen. Vielen Dank.

Seit ein paar Wochen bin ich auch als Trainer in der App „InsightTimer“ registriert. Zur Zeit biete ich dort zwei kostenlose Meditationen an. Nach und nach werden weitere Übungen dazu kommen.

https://insighttimer.com/heartful-work

Ich freue mich auf heute Abend.

Oliver

Die apokalyptischen Reiter der Teamkultur

Wenn jemand darauf vertrauen kann, dass er oder sie in einem Konflikt gehört und ernst genommen wird, dann stehen die Chancen gut, dass er oder sie bereit ist, sich ebenfalls partnerschaftlich zu verhalten.

Marshall B. Rosenberg

Durch einen Facebook Post von einem meiner Lehrer, bin ich (erneut) auf das Konzept der apokalyptischen Reiter in Paarbeziehungen von Joseph Gottmann gestoßen. Und als ich mir das dazu gehörende schematische Bild anschaute, wurde mir bewusst, dass diese Reiter nicht nur Paarbeziehungen zerstören, sondern auch “toxisch” (um ausnahmsweise mal in der apokalyptischen Sprache zu bleiben😉) im beruflichen Umfeld z.B. in Teams sein können.

In der inzwischen sehr bekannten Studie von Google (rework Studie) zu erfolgreichen Teams wird insbesondere die psychologische Sicherheit als Erfolgsfaktor für Teams beschrieben. „Teammitglieder sind bereit, gegenüber anderen Teammitgliedern Risiken einzugehen und ihre Verletzlichkeit zu zeigen.“ Dazu gehört z.B. der Umgang mit Fehlern. „Ich darf Fehler machen. – Ich darf Fehler ansprechen. – Falls ich einen Fehler mache, kann ich auf die Unterstützung meines Teams bauen.”

Mit den vier bzw. fünf apoklaytischen Reitern (der 5. kam erst später dazu) wird genau diese psychologische Sicherheit gefährdet oder sogar zerstört. Die Reiter heißen:

  • Kritik
  • Abwehr / Verteidigung
  • Verachtung oder Geringschätzung
  • Rückzug / sich verschließen
  • Macht ausüben / Machtdemonstration

Heartfulness also Achtsamkeit, Mitgefühl, Mitfreude, Freundlichkeit und Gleichmut sind die heilsamen Mittel gegen diese Reiter. Die Herausforderungen bestehen dabei natürlich auf allen Seiten. Bei denjenigen, die etwas ausdrücken wollen und denjenigen, die empfangen. Und damit ist es eine Frage des Hörens (mit Schuld oder Verständnis), Redens (mit Dominanz oder Mitgefühl) und Fühlens (Ignoranz oder Achtsamkeit). Ich habe im Folgenden versucht anhand von Beispielen, die sagen wir mal, nicht ganz aus der Luft gegriffen sind, die Reiter und alternative oder besser heilsamere Kommunikation und Verhalten gegenüberzustellen.

Kritik

„Du bist nie da, wenn Du im Projekt gebraucht wirst…“ oder „Ihr habt ja auch die einfachen Themen …“

„Die Projektabgabe ist in drei Wochen, ich bin besorgt, ob ich es alleine bewältigen kann. Der Projekterfolg ist mir wichtig ist. Ich brauche bitte Unterstützung von Euch.“

Kritik in dieser Form beschreibt dabei nicht nur, dass etwas nicht so ist, wie wir es uns wünschen. Sie verbindet dies mit einer negativen Aussage über die Personen oder besser Persönlichkeit

Ich – Botschaften und wertschätzendes Feedback, z.B. mit den vier B, Beobachtung – Befinden – Bedürfnis – Bitte, sind die Alternative zu Kritik. Und auf der anderen Seite steht das aktive oder tiefe Zuhören, um auch Kritik mit Verständnisohren und nicht mit Schuldohren zu hören.

Verteidigung

„Warum hast du das nicht früher gesagt.“ oder „Ich wollte ja, ihr habt mir aber keine Gelegenheit gegeben und außerdem habe ich mich an die Regeln gehalten…“

Die Verteidigung dient natürlich dem Selbstschutz und dem Vermeiden von Verletzung. Gleichzeitig dient sie in dieser Form dazu sich selbst aus der Verantwortung zu nehmen.

Verteidigung in dieser Form als Rechtfertigung eskaliert schwierige Situationen eher.

„Mit der jetzigen Situation bin ich überfordert. Mir ist wichtig, dass jeder seinen Teil zum Teamerfolg beiträgt. Ich würde gerne Deine/Eure Einschätzung zur Situation kennenlernen.“

Verantwortung übernehmen für die eigenen Emotionen und Bedürfnisse ist der Weg aus der Verteidigung. Und dazu ist es hilfreich diese zu benennen. Die Blitzlichtrunde “Wie geht es mir gerade” ist eine gute Übung sich als Team darauf einzustellen, dass das Ansprechen von Emotionen auch in den Berufsalltag gehört.

Hilfreich ist es auch, sich der Bedürfnisse der anderen bewusst zu sein bzw. sich diese bewusst machen. (Hier unterstützt die “Genau wie ich Meditation”)

Verachtung

Du bist echt unfähig, das zu erledigen, oder? oder „Das hätte ich von Dir nicht erwartet…“

Verachtung ist häufig mit Sarkasmus gepaart. Verachtung macht die Abwertung explizit und ist in Beziehungen und damit auch Teams mehr als nur ein Alarmsignal.

„Deine Aussage / Leistung irritiert mich. Gibt es etwas, wie ich/wir Dir Unterstützung geben können.

Eine wertschätzende Atmosphäre und ein entsprechendes Verhalten ist hier der Weg. Wertschätzung im Team können wir durch Dankbarkeit und Mitfreude kultivieren. Gemeinsam Erfolge feiern, sich auch für kleine Dinge bedanken und sich regelmäßig positives, wertschätzendes Feedback geben.

Rückzug

„Darüber will ich nicht reden…“ oder „Meine Stimmung geht Euch nichts an, es geht um das Thema…“



Rückzug oder auch Mauern dient natürlich auch dem Schutz. Dadurch wird jedoch die Verbindung gekappt. Ein Austausch wird verhindert.

Die Situation ist gerade echt unübersichtlich, ich bin verunsichert, weil ich nicht weiß wo wir und ich gerade stehen. Ich brauche etwas Zeit um mich zu sortieren und dann würde ich gerne Eure Einschätzung habe.

Eine Pause machen. Einen zeitweiligen physischen Rückzug durch einen Spaziergang oder Entspannung suchen. Eine Atemmeditation oder einen Body Scan machen. Wenn es vielleicht bereits etabliert ist, kann auch eine gemeinsame Meditation in Stille sehr hilfreich sein.

Machtdemonstration

„Das muss ich wohl mal wieder selber regeln…“ oder „Das werde ich der Leitung melden…“

Die Machtdemonstration ist die Darstellung der eigenen Überlegenheit und damit die Abwertung der anderen. Moralische Arroganz ist eine Bezeichnung, die ich heute in einem anderen Zusammenhang gelesen habe, die aber einen Aspekt der Machtdemonstration gut beschreibt. Ein anderer Aspekt ist die Ablehnung von Kompromissen.

„Im Moment weiß ich nicht weiter. Ich brauche gerade Halt. Wie wäre es wenn wir uns Unterstützung organisieren?“

Machtdemonstration ist auch ein Zeichen von Hilflosigkeit, ein „keine Lösung“ sehen. Die Übung von Gleichmut kann hier das Gegenmittel sein. Auch ist es hilfreich auf die Bedürfnisse der Einzelnen zu schauen und sich gegebenenfalls Unterstützung für das Finden von Lösungen und Kompromissen zu holen. Regelmäßige Teamsupervision oder Retrospektiven sind gute vorbeugende Lernerfahrungen für Teams.

Wenn ich jetzt an meinen letzten Blogeintrag denke, ist natürlich auch klar, dass es uns nicht immer gelingen wird achtsam und mitfühlend zu
(re-)agieren. Vielleicht entstehen auch mal Situationen, in denen einer der Reiter erscheint. Hier hilft dann eine andere Erkenntnis von Joseph Gottmann. Die sogenannte 5:1 Ratio. Gute oder auch glückliche Beziehungen lassen sich daran erkennen, dass auch in einer Auseinandersetzung fünf positiv erlebte Momente einem negativen gegenüber stehen.

Es lohnt sich also, es immer wieder neu zu versuchen, auch wenn wir ab und zu mal scheitern.

Euer Oliver

Bild von John Hain auf Pixabay

Earth Hour

Am 27. März 2021 um 20.30 Uhr gilt: #LICHTAUS. Klimaschutz an. Bei der #EarthHour des WWF setzen Menschen aus der ganzen Welt ein globales Zeichen für mehr Anstrengungen im Klimaschutz. Machst du / Macht Ihr auch mit?

Wir können diese Stunde dazu nutzen, nicht nur das Licht auszumachen, sondern uns auch z.B. durch das Sitzen in Stille miteinander zu verbinden.

Eine schöne Möglichkeit ist auch das Üben der Meditation der Liebenden Güte. Die die Grundlage für die “Genau wie ich” Meditation des letzten Blogs ist.

Dabei wiederholen wir innerlich z.B. folgende Sätze:

Möge ich gesund sein.

Möge ich frei sein von Schmerz und Leid

Möge ich glücklich sein.

Möge ich mit Leichtigkeit leben.

Möge ich in Frieden leben.

Wir können diese mitfühlenden Wünsche erst uns schenken und dann Menschen , die uns nahe sind, Menschen, die uns nicht so nah sind, Menschen mit denen wir kleine oder auch größere Konflikte haben. Und am Ende die Wünsche ausdehnen auf alle Wesen

Mögest Du / Möget ihr / Mögen alle Wesen gesund sein.

Mögest Du / Möget Ihr / Mögen alle Wesen frei sein von Schmerz und Leid

Mögest du / Möget ihr / Mögen alle Wesen glücklich sein

Mögest Du / Möget Ihr / Mögen alle Wesen mit Leichtigkeit leben.

Mögest Du / Möget Ihr / Mögen alle Wesen in Frieden leben.

Hier kannst du dich beim WWF für die Earth Hour registrieren: Registrieren Earth Hour

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende

Euer Oliver

Ich denke, Du bist so achtsam….

Nur mit Demut lernt man Menschen achten

Fred Allmen, Schweizer Meditationslehrer

Mein letzter Blogeintrag ist jetzt schon eine Weile her. Und natürlich ist in dieser Zeit einiges passiert. Ein MBSR Kurs und der erste Kurs „Heartful Inner Work“ sind zu Ende gegangen. Drei weitere Kurse „Heartful Inner Work“ mit in Summe mehr als 40 Teilnehmenden sind gestartet. Im Frühsommer startet eine neue Ausbildungsrunde „Heartful Leadership“.
Die Arbeit mit all diesen Menschen und Ihr Interesse am Thema Achtsamkeit macht mir viel Freude.

In diesen Kursen, gepaart mit meinen eigenen Erfahrungen, ist das Thema dieses Blogs geboren. Falls Ihr praktiziert oder gerade anfangt zu praktizieren, kennt Ihr vielleicht den Satz im Titel in der einen oder anderen Form. Ich habe ihn von Anderen als „ Ich denke Du bist Achtsamkeitslehrer,…“ oder als „Von jemandem der sich soviel mit Achtsamkeit befasst, hätte ich das nicht erwartet…“. Und in Kursen gibt es dann Aussagen wie, „Jetzt wollte ich achtsam sein, und es hat wieder nicht geklappt…“, „Jetzt wollte ich üben und habe wieder keine Zeit gefunden.“

Egal wer es sagt, ob eine Dritte /ein Dritter oder der/die  eigene innere Kritiker/Kritikerin, wir fühlen uns erstmal verletzt oder nicht gesehen oder mindestens nicht gut.  In der Regel ist ja mit dem „nicht achtsam sein“ ein Verhalten verbunden, welches wir eigentlich nicht zeigen oder haben wollen. Und doch ist es passiert. Das liegt einfach daran, dass wir Menschen sind. Achtsam sein, heißt auch mitfühlend mit seinen eigenen Fehlern und den Fehlern der Anderen umgehen.  Und es heißt nicht umsonst Achtsamkeitspraxis, da steckt drin, wir üben achtsam zu sein und beim Üben können wir scheitern, und wir können das erkennen und uns z.B. entschuldigen und das Verhalten versuchen zu korrigieren. Ein Achtsamkeit übendes Gegenüber wird das dann auch bemerken, und der eigene Spiegel auch.  Wir sollten unsere „Defizite“ als Übungsfelder und Möglichkeiten sehen. Und diese Momente als Chance sehen, zu schauen, was es ist, was uns gerade hindert. 

Und das, was uns hindert, findet sich (häufig) wieder in den sogenannten fünf Hindernissen (im Buddhismus die fünf Skandhas, wer weiter nachlesen will). Diese hindern uns am Üben der Achtsamkeit, sie hindern uns in der Meditation und sie hindern uns im Alltag und zu guter Letzt fühlen sie sich auch nicht gut an. 

Diese Hindernisse  sind 

  • Verlangen (etwas – unbedingt – haben wollen), 
  • Abneigung – Ärger – Hass (etwas -unbedingt – nicht wollen), 
  • Stumpfheit und Mattheit (keine Energie haben), 
  • Ruhelosigkeit und Sorge (nicht aushalten können) und 
  • Zweifel (skeptisch sein, das bringt doch nichts).  

Zu jedem der Hindernisse und auch zum Umgang mit ihnen gibt es viel zu sagen. Eines ist jedoch allen gemeinsam und vielleicht hilfreich: Erkennen welche Hindernisse, jetzt gerade besonders aktiv werden wollen und ihnen dann annehmend und mit Freundlichkeit begegnen. Und natürlich sind die vier Lebensfreunde, die hier im Blog auch schon Thema waren,  eine gute Unterstützung. 

Eine gute Gelegenheit den Umgang mit den Hindernissen zu üben, ist die Meditation. Denn dort treten sie auch immer wieder auf. „ich will jetzt lieber was anderes tun“ – „das ist langweilig, wann ist es vorbei“ – „ich kann nicht mehr sitzen“ – „ ich kann mich nicht konzentrieren“  – „das bringt doch alles nichts“. Und dann „einfach“ damit sitzen und wenn Sie uns wieder mal in die Quere kommen, sie willkommen heißen, denn wie Rumi sagt: „sie sind vielleicht geschickt aus einer anderen Welt um uns auf Anderes vorzubereiten.“

Und wenn wir bei Anderen, den KollegInnen , dem Partner oder der Partnerin, den FreundInnen, in der Familie das Auftreten der Hindernisse bemerken, dann hilft das, was Fred Allmen gesagt hat: Demut. Und die Erkenntnis von gemeinsamer Menschlichkeit. „Er oder Sie ist ein Mensch, genau wie ich“.

Und dieser letzte Satz ist auch die Übung für dieses Mal.

Wenn wir Dinge an uns oder Anderen bemerken, die uns nicht gefallen, sich vielleicht zuerst einmal mit dem Menschen verbinden. Vielleicht mit Sätzen wie diesen:

Er oder Sie hat Gefühle und Gedanken, genau wie ich.
Er oder Sie hat Bedürfnisse und Wünsche, genau wie ich.
Er oder Sie  möchte sicher sein, genau wie ich.
Er oder Sie möchte zufrieden und glücklich sein , genau wie ich.
Er oder Sie möchte sich verbunden fühlen, genau wie ich. 
Dieser Mensch möchte in Frieden leben, genau wie ich. 

Und dann kannst Du Dir und diesem Menschen noch einen oder mehrere mitfühlende Wünsche senden.

Die Übung stammt in etwas erweiterter Form als Meditation von Sharon Salzberg und ich finde sie wirklich hilfreich.

Eine Gelegenheit diese Übung intensiver kennenzulernen ist am nächsten Donnerstag Abend (25.03.2021, um 19:00) bei meiner monatlichen Heartfulness Meditation.

Ich freue mich über Anmeldungen, eine spontane Teilnahme ist jedoch auch möglich.

Anmeldung über die Kontaktseite oder direkt mit dem Link zur Teilnahme:

https://fairmeeting.net/HeartfulnessMeditation

Alle Gute und Liebe

Oliver

Schweige und höre

„Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden“

Angelus Silesius

Das obige Bild habe ich als selbstgemachte Collage von meiner Mutter zu Weihnachten als Karte bekommen. Es fiel mir wieder ein, als ich am letzten Sonntag einen Achtsamkeitstag im Rahmen eines MBSR-Online Kurses durchgeführt habe. Diese Achtsamkeitstage finden in Stille oder im Edlen Schweigen statt. Wenn wir ihn die Stille gehen, ist es das, was wir beginnen, wir lauschen nach Innen. Vielleicht auf unsere Gedanken und Gefühle, vielleicht können wir uns aber auch mit dem Herzen verbinden. Und damit meine ich nicht unser schlagendes, physisches Herz, sondern unser wahres Herz. Das wahre Herz, dass für das steht, was wir im Tiefsten wirklich sind. Und wenn diese Verbindung entsteht, entsteht Frieden in uns. Und dieser zeigt sich durch eine Stille, die tiefer ist als die Stille, durch das Wegfallen der äußerlichen Geräusche. Es wird alles ruhiger, die Wünsche, die Sehnsucht, die Ängste, der Ärger etc.. Und dahinter zeigt sich vielleicht nur für Bruchteile von Sekunden, unser Herz. Und diese Verbindung zu unserem Herzen stärkt auch die Verbindung zu anderen Wesen.

Wir können dieses Zitat von Silesius jedoch nicht nur auf die Meditation beziehen, sondern auch für den Alltag nutzen. Wenn wir in Kommunikation mit anderen Menschen sind, können wir das Schweigen und Hören gut üben. Häufig hören wir die Worte und sind gleichzeitig schon bei unserer Antwort. Wenn wir in Gesprächen einmal schweigen und hören, und damit auch unsere schon entstehenden Antworten „schweigen“ lassen, können wir uns mit dem Gesagten verbinden, wie mit unserem Herzen. Und damit auch die Verbindung zu unserem Gesprächspartner neu erfahren. Egal, ob uns das Gesagte gefällt oder nicht, können wir vielleicht hören, was neben den Worten noch gesagt wird, welche Gefühle und Bedürfnisse mitschwingen. Und aus dem schweigenden Hören heraus unseren Impuls der Antwort erkennen und uns möglicherweise Zeit nehmen für diese. Und vielleicht auch bewusster antworten und damit den Bedürfnissen unseres Gegenübers besser entsprechen. Das besser entsprechen ist kein nach dem Mund reden, sondern die Bedürfnisse des Anderen und die Eigenen sehen und aus diesen heraus antworten.

Ich hatte im Laufe der Woche ein Gespräch mit einer Führungskraft, bei der es um Anweisungen ging, die von der Unternehmensleitung wegen Corona getroffen wurden. Diese wurden von Mitarbeitenden als ungerecht empfunden. Sie machten ihrem Unmut Luft und forderten die Führungskraft auf, Stellung zu beziehen zu dieser Ungerechtigkeit. Sie fühlte sich angegriffen und ebenfalls ungerecht behandelt und gleichzeitig in der Verpflichtung zu antworten. Nachher war sie sich nicht mehr sicher, ob die Antwort und ihr Verhalten adäquat waren.

Gerade diese Momente sind es, die uns fordern. In diesen Momenten schweigen und wirklich zuhören. Auf die entstehende Gefühle achten, vielleicht auch auf das Bedürfnis welches gerade nicht erfüllt wird. In der beschriebenen Situation, vielleicht das Bedürfnis nicht gesehen zu werden mit den eigenen Bemühungen fair und gerecht zu sein. Und eine Pause zulassen. Dann entsteht die Möglichkeit, achtsam zu antworten und die Verbindung zu halten.

Schweigen und Hören ist eine wichtige Kompetenz im Alltag und wir können diese üben. Wir üben diese z.B. durch Meditationen, in dem wir in uns hinein lauschen und auf das was entsteht nicht reagieren. Wir können diese aber auch mit einem Gesprächspartner üben.

Diese Übung ist der Achtsame Dialog. Hier eine kleine Anleitung:

  • Setzt Euch als Gesprächspartner (A und B) gegenüber. Vereinbart eine Zeit für das Reden z.B. 3 oder 5 Minuten.
  • Schliesst die Augen und legt fest, wer zuerst spricht (A).Startet den Timer. (Vielleicht mit einem schönen Gong)
  • A erzählt, B hört nur zu und lauscht dabei auch nach innen, was dort entsteht. Welche Impulse, Gedanken und Gefühle entstehen. Falls A nichts mehr zu sagen hat und die Zeit noch nicht abgelaufen ist, verbleibt ihr in Stille bis der Timer abgelaufen ist.
  • Anschliessend wechseln, mit der gleichen Dauer: B erzählt, A hört tief zu.
  • Danach kann ein Austausch darüber stattfinden, welche Erfahrungen gemacht wurden.

Dies kann z.B. eine schöne Übung am Abend mit Freund*in oder Partner*in sein, um das am Tage erlebte auszutauschen. Aber auch mit Kolleg*innen um z.B. Erfahrungen in einem Projekt oder einem Workshop auszutauschen.

Ich wünsche Euch viel Freude mit dem Achtsamen Dialog

Euer Oliver

Liebevolle Freundlichkeit

Ein Mensch mit gütigem, hoffendem Herzen fliegt, läuft und freut sich; er ist frei. Weil er geben kann, empfängt er; weil er hofft, liebt er

Franz von Assisi

An einem der letzten Sonntage war im Berliner Tagesspiegel eine Kolumne zum Thema „Selbstliebe“ („Ich & Ich: Der Trend zur Selbstliebe: Übertreibt’s nicht mit der „Self-Care“!, Angie Pohlers, Der Tagesspiegel 27.11.2020) Die Autorin hat genug vom Selbst-Pampern und der Ich-Bezogenheit. Ich kann Ihr nur zustimmen. Auch ich sehe ständig in den sozialen Medien, in Foren und Blogs und in der Werbung, die Aufforderung sich mehr selbst zu lieben. Und einiges davon geht tatsächlich am Ziel vorbei. Auch wenn es noch nicht Narzissmus ist, erscheint es mir doch manchmal den Tenor zu haben „Hauptsache mir geht es gut und dann wird es gut“.

Und gleichzeitig ist der Kern der in der Kolumne beschriebenen Selbstliebe wichtig und meiner Meinung auch zu praktizieren. Es geht dabei um den vierten Lebensfreund, die liebevolle Freundlichkeit. Liebevolle Freundlichkeit richtet sich auf die Förderung des Glücks und des Wohlergehens für sich selbst und für andere.

Im Prinzip gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen der liebevollen Freundlichkeit sich selbst gegenüber und der liebevollen Freundlichkeit anderen gegenüber. Um freundlich gegenüber anderen zu sein, muss ich auch freundlich mir gegenüber sein. Und wenn es dort Defizite gibt, die ich spüre, dann ist es durchaus sinnvoll bei der Person zu beginnen, auf die ich den grössten Einfluss habe, nämlich bei mir selbst. Martin Buber hat in einer seiner Geschichten den Satz geschrieben:

„Du sagst: ich liebe dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es wissen.“ (Martin Buber)

Wenden wir das jetzt auf uns selbst an, heißt es: wenn wir uns „selbst lieben“, uns liebevoll freundlich gegenüber sind, geht es auch darum zu sehen, was uns fehlt, was uns leiden lässt.
„Selbstliebe“ ist damit nicht ein „sich mit sich wohlfühlen“ oder „es sich nett machen“. Es bedeutet vielmehr sich auch dem eigenen „Leid“ zu stellen und zu erfahren, was einem fehlt.

Und daraus entsteht wieder die Möglichkeit liebevolle Freundlichkeit für andere zu entwickeln oder zu stärken. Mit liebevoller Freundlichkeit können wir dann tatsächlich, wie einer meiner Lehrer (Frits Koster) gesagt hat, uns auf den Bereich des „Glücksthermometers“ einschwingen. der „über Null“ liegt und auch andere dabei unterstützen in diesen Bereich zu kommen.

Und in der Kolumne hat die Autorin die Gefahr der Übersteigerung der liebevollen Freundlichkeit dargestellt, das Anhaften an dem Wunsch „mir muss es gut gehen“ und die Abhängigkeit davon. Das ist dann nicht McMindfulness sondern McLovingkindness. Und dieses Anhaften steht dann auch im Zusammenhang mit Egozentrik.

Und was hat das mit dem Beruf und dem Arbeitsalltag zu tun? Liebevolle Freundlichkeit ist das Gegenteil von und das Heilmittel für „Ablehnung“, „Hass“ und „Groll“. Und daraus ergeben sich zwei Ansätze im beruflichen Alltag.

Einerseits zu schauen, welches „Leid“ entsteht mir oder leichter formuliert, was fehlt mir bei meiner Arbeit, um zufrieden, sozusagen über Null beim Glücksthermometer zu sein. Vielleicht auch die Frage zu stellen, wie schaffe ich es, meiner Rolle im Job gerecht zu werden? Und bei diesem Schauen dennoch freundlich mit mir zu bleiben.
Andererseits Kolleg*Innen und Mitarbeitenden liebevolle Freundlichkeit zu geben, die gerade im Stress sind , die Projekte oder Aufgaben gerade „ablehnen“ oder „Groll hegen“ gegen Kund*Innen oder Lieferant*Innen.

Zum Einüben der liebevollen Freundlichkeit ist eine der klassischen Übungen, die sogenannte Metta Meditation. Unter dem Link findet Ihr eine kleine Übung Mitgefühl und liebevolle Freundlichkeit für Euch einzuüben.

Atemraum mit Mitgefühl

Zum Abschluss noch eine Information in eigener Sache, am 14.01.2021 startet die neue 6 wöchige Workshop Reihe „Heartful Inner Work“ als Einführung zu Achtsamkeit und Mitgefühl am Arbeitsplatz.

Weitere Information und die Möglichkeit der unverbindlichen Anmeldung hier.
Heartful Inner Work

Euer Oliver

Mitfreude – Zwischenfreuen

Bei sich selbst be­ginnen, aber nicht bei sich enden; von sich ausgehen, aber nicht auf sich abzielen; sich erfassen, aber sich nicht mit sich befassen.

Martin Buber

Dieses Zitat hat Christoph Singer aus Wien am Freitag in der Online Morgenmeditation, an der ich regelmäßig teilnehme, vorgelesen. Seitdem lässt es mich nicht mehr los.  

„Bei sich selbst beginnen, aber nicht bei sich enden“ für mich ist das wie Aufruf Achtsamkeit und die 4 Lebensfreunde zu kultivieren. Wie bei vielen Menschen war es bei mir so, dass ich angefangen habe Achtsamkeit zu praktizieren, weil es mir nicht gut ging und ich nach Methoden gesucht habe Stress zu reduzieren. Mein Fokus lag darauf für mich etwas besser zu machen, vielleicht sogar besser zu werden. Was auch immer das heißt? Mit der stetigeren Praxis bemerkte ich, dass sich auch etwas in meinem Kontakt zu meinen Mitmenschen veränderte. Und das fühlte sich gut an und doch war ich noch auf dem Weg mich zu optimieren. Erst die Beschäftigung mit Mitgefühl und den anderen Lebensfreunden zeigte mir einen Weg, der nicht bei mir endete. Einen Weg der Veränderung, der nicht nur mich was anging. Wenn wir „sitzen“ – also meditieren – tun wir das nicht nur für uns, es bewegt insgesamt etwas, ich denke positives, in der Verbundenheit mit allen Wesen.  Und es kann spürbar werden, z.B. durch Mitfreude.

Der Kern der Mitfreude ist das Teilen, das Teilen von kleinen und großen Momenten des Glücks, in dem wir uns mit und für Andere freuen. Die unbeschwerte Anteilnahme ist ein Mittel gegen Neid und Eifersucht auf der einen Seite und auf der anderen wirkt die Mitfreude auch positiv auf unser Gehirn. Dem Gehirn ist es nämlich egal, ob wir uns über unser Glück oder das anderer freuen. Die positive Erfahrung stärkt unsere Ressourcen z.B. unsere empathischen Fähigkeiten und von diesen „profitieren“ dann wieder weitere Menschen. Aus diesen Zusammenhängen wird leicht ersichtlich, warum Mitfreude auch oder gerade im Arbeitsalltag so wichtig ist. Wenn wir uns für andere oder gemeinsam freuen, stärken wir unsere Gemeinschaft. Bei uns im Büro haben wir eingeführt, dass bei einem Auftragseingang, hinter dem ja in der Regel viel Arbeit steckt, ein Gong geschlagen wird und alle zusammenkommen. Der Zuständige erläutert dann kurz, worum es geht damit wir uns gemeinsam daran erfreuen können. Das gilt für jede Größenordnung von Auftrag. Seit dem ausgeprägten Home Office ist das leider nur durch Nachrichten in unserem Chatraum möglich, aber selbst das wirkt noch.

Und es geht dabei nicht um Schulterklopfen. Es geht eher um Wertschätzung und Dankbarkeit. 

In den letzten Jahren habe ich in verschiedenen Unternehmen über die Mitfreude gesprochen. In einem Unternehmen hat sich dafür ein neuer Begriff gefunden „das Zwischenfreuen“. (Ein tolles Wort, danke Christian für die Wortschöpfung.). In anderen Unternehmen werden Teammeetings nicht nur mit einem Blitzlicht, sondern ergänzend mit den guten Erfahrungen, dem Erreichten seit dem letzten Termin begonnen. All dies sind Aspekte der Mitfreude, die für alle wertvoll sind. Wenn wir uns mehr mit- und zwischenfreuen, werden ein wertschätzendes  und anerkennendes Miteinander gefördert. 

Es gibt natürlich auch eine kleine Gefahr, das Jagen nach den positiven vielleicht euphorisierenden Momenten. Da hilft uns wieder die Achtsamkeit an sich, das Anerkennen was da ist und das Bewusst werden, all der kleinen Glücksmomente am Tag, z.B. die Betrachtung dieses kleinen Ikebana Rosen Arrangements.

Jetzt noch ein paar Tipps Mitfreude zu üben

  • Danke sagen auch für die kleinen Dinge.
  • Wertschätzung aussprechen
  • Sich Erfolge berichten lassen 
  • Zeit nehmen für das Feiern von kleinen und großen Erfolgen
  • Vielleicht ein Ritual zum Mitfreuen implementieren (wie unser Gong)

Falls Ihr selber noch Ideen habt, wie Mitfreude geübt werden kann, schreibt diese doch einfach in einen Kommentar. Ich würde mich freuen.

Euer Oliver

Mitgefühl und Selbstmitgefühl

Selbstverurteilung und Selbstmisstrauen sind schwerwiegende Irrtümer… ich bitte Dich um nichts weiter als dies: Mach die Liebe zu deinem Selbst vollkommen.

Sri Nisargadatta, indischer Lehrer

Mitgefühl (eingeschlossen ist Selbstmitgefühl) ist der Lebensfreund, dem ich mich heute widmen möchte. Gerade das Wort Mitgefühl führt, so erfahre ich in meinen Workshops Zur Achtsamkeit in Organisationen mindestens zu Irritationen. Was ist das eigentlich und was hat das im beruflichen Kontext zu suchen? 

Eine schöne Definition von Rick Hanson lautet „Mitgefühl ist der Wunsch, dass ein Lebewesen nicht leiden muss, normalerweise verbunden mit dem Gefühl einer warmherzigen Anteilnahme.“ Und für Selbstmitgefühl: „Selbstmitgefühl verbindet den Wunsch und die Wärme von Mitgefühl mit dem Lebewesen welches Deinen Namen trägt.

Es geht also um den Umgang mit Leid. Was könnte Leid im Berufsalltag sein?

Nehmen wir folgende Situation, die sich so ähnlich auch zugetragen hat.  

Du schickst eine Mail raus, in der nicht vertrauliche, aber sensible Informationen stehen. Plötzlich stellst Du fest, dass die Mail nicht an den gewünschten Adressaten, sondern jemand anderes ging, der aber in dem Kontext, diese Informationen nicht hätte bekommen dürfen.

Was passiert jetzt in Deinem Inneren? Vielleicht: 

Wie konnte das passieren? Ich bin so ein Idiot? Was hat das für Konsequenzen? Ich bin schuld, dass die Info jetzt raus ist! Wir werden den Auftrag verlieren. Unser Ruf als vertrauenswürdiges Unternehmen ist ruiniert. Ich bin völlig dem weiteren Geschehen ausgeliefert.“

Jetzt entsteht Leid und nicht nur das, das Leid verstärkt sich noch, in dem z.B. die Konsequenzen ausgemalt werden. Ein zweiter und dritter Pfeil auf Dich oder uns selbst wird abgeschossen. Die Schmerzen werden größer. Und im Schmerz sind wir weniger kreativ, es reduzieren sich die erkennbaren Handlungsmöglichkeiten. Sicherheit fehlt auch, weil ja nicht klar ist was passieren wird oder schon passiert. Der innere Kritiker ist voll auf Touren.

Unabhängig von den Modellen von inneren Anteilen etc. und den Schutzfunktionen dieser, möchte ich dabei auf das Wort Kritik schauen. 

Kritik ist vom griechischen Wortstamm her die Kunst der Beurteilung oder steht für Richter. Und in der Beurteilung steckt „Das ist gut und das ist schlecht“ und wenn wir vor das Wort Kritik noch „Selbst-„  schreiben entsteht leicht „Ich bin gut und ich bin schlecht“ . In unserem Beispiel führt das mindestens in diesem Moment zur Abwertung des Selbst. Und wie bei einer Abwertung oder einem gefühlten oder realen „Angriff“ von außen, zu den bekannten Reaktionen Kampf, Flucht, Erstarren. Wie könnte das aussehen? 

Im Fluchtmodus vielleicht „Das liegt nur am Mailprogramm, da bin ich nicht schuld dran, das muss die IT mal anders einstellen.“

Beim Erstarren: „Am besten nicht drüber reden, vielleicht kriegt es keiner mit“

Im Kampfmodus: „Ich rufe da an und sagen denen, dass es ja wohl selbstverständlich ist, dass sie die Mail nicht lesen“ 

Bestimmt gibt es noch andere nicht adäquate Ideen für Reaktionen. Alle Alternativen sind jedoch nicht wirklich heilsam. Und vor allem, bringen sie nicht das hervor, was wir eigentlich im positiven Sinne von Selbstkritik erhoffen, dass wir Fehler erkennen und daraus lernen und in Zukunft anders handeln. Deswegen versuche ich persönlich das Wort Kritik und Selbstkritik nicht mehr zu verwenden. 

Hier kommt das Mitgefühl bzw. Selbstmitgefühl ins Spiel. Wie wäre es zu sagen: „Mist, mir ist ein Fehler passiert, Fehler passieren allen, möge ich jetzt mitfühlend mit mir umgehen, damit ich eine Lösung finde, um die Auswirkungen zu verringern und Wege zu finden, dass der Fehler nicht wieder passiert“. Vielleicht klingt das gestelzt und doch ist das der Kern. Und weil es nicht so einfach ist, ist es sinnvoll Selbstmitgefühl zu üben. Der nächste Muskelstrang der Achtsamkeit, der trainiert werden will.

Und was ist mit dem Mitgefühl? In einer Organisation, in der psychologische Sicherheit herrscht, also Menschen Fehler machen dürfen, es Feedback gibt, herrscht auch Mitgefühl. Wenn ich selber nicht in der Lage bin, mir gerade Selbstmitgefühl zu schenken, sind es vielleicht meine Kolleg*innen oder meine Chef*innen, die mir Mitgefühl schenken, mit ähnlichen Worten. „Oh ja, da ist Dir ein Fehler passiert, Fehler passieren doch uns allen. Ich fühle mit Dir, lass uns schauen ob wir eine Lösung finden, um die Auswirkungen zu verringern und Wege zu finden, dass der Fehler nicht wieder passiert“

Wäre das nicht hilfreich?

Und (Selbst-) Mitgefühl ist auch Etwas, was wir gerade in dieser Zeit brauchen. Ich höre z.B. in Gesprächen über das Home Office, „Das ist doch toll, ich kann meine Zeit besser einteilen oder die Ruhe tut mir wirklich gut, ich habe gerade weniger Stress, weil ich nicht reisen muss und kann mich auf mich konzentrieren“. Das denke ich häufig auch, und dann gibt es die Momente wo das genaue Gegenteil da ist. Ich kann den Tag nicht strukturieren, bin nicht effizient und fühle mich einsam und wäre gerne im Zug auf dem Weg zu einem Workshop. Und mich dann nicht z.B. für die Ineffizienz kritisieren sondern mit mir mitfühlend sein, hilft mir sehr. Und auch mitfühlend sein mit denen, die die beschriebenen Momente sehr selten haben, weil sie Kinder betreuen müssen oder Ihnen die Gemeinschaft der Kolleg*innen fehlt. Und das auch aussprechen und nicht immer nur die Vorteile von Home Office aufzählen, ist mitfühlend.

Kristin Neff hat in Ihrem Buch Selbstmitgefühl ein Mantra formuliert, welches ich Euch heute als Übung mitgeben möchte. Es besteht aus drei Sätzen. Der erste stärkt die Achtsamkeit und Akzeptanz, der zweite steht für die gemeinsame Menschlichkeit und der dritte für die Freundlichkeit mir selbst gegenüber und hat damit alle Zutaten für Selbstmitgefühl.

Ein Mantra für die Momente, in denen der innere oder auch äußere Kritiker zu stark ist oder ihr einfach Mitgefühl braucht.

DAS IST EIN MOMENT DES LEIDENS (KUMMERS /SCHMERZES) !

LEIDEN GEHÖRT ZUM LEBEN!

MÖGE ICH MIR IN DIESEM MOMENT MIT MITGEFÜHL (FREUNDLICH/GÜTIG/ LIEBEVOLL) BEGEGNEN!

Euer Oliver

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