Liebevolle Freundlichkeit

Ein Mensch mit gütigem, hoffendem Herzen fliegt, läuft und freut sich; er ist frei. Weil er geben kann, empfängt er; weil er hofft, liebt er

Franz von Assisi

An einem der letzten Sonntage war im Berliner Tagesspiegel eine Kolumne zum Thema „Selbstliebe“ („Ich & Ich: Der Trend zur Selbstliebe: Übertreibt’s nicht mit der „Self-Care“!, Angie Pohlers, Der Tagesspiegel 27.11.2020) Die Autorin hat genug vom Selbst-Pampern und der Ich-Bezogenheit. Ich kann Ihr nur zustimmen. Auch ich sehe ständig in den sozialen Medien, in Foren und Blogs und in der Werbung, die Aufforderung sich mehr selbst zu lieben. Und einiges davon geht tatsächlich am Ziel vorbei. Auch wenn es noch nicht Narzissmus ist, erscheint es mir doch manchmal den Tenor zu haben „Hauptsache mir geht es gut und dann wird es gut“.

Und gleichzeitig ist der Kern der in der Kolumne beschriebenen Selbstliebe wichtig und meiner Meinung auch zu praktizieren. Es geht dabei um den vierten Lebensfreund, die liebevolle Freundlichkeit. Liebevolle Freundlichkeit richtet sich auf die Förderung des Glücks und des Wohlergehens für sich selbst und für andere.

Im Prinzip gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen der liebevollen Freundlichkeit sich selbst gegenüber und der liebevollen Freundlichkeit anderen gegenüber. Um freundlich gegenüber anderen zu sein, muss ich auch freundlich mir gegenüber sein. Und wenn es dort Defizite gibt, die ich spüre, dann ist es durchaus sinnvoll bei der Person zu beginnen, auf die ich den grössten Einfluss habe, nämlich bei mir selbst. Martin Buber hat in einer seiner Geschichten den Satz geschrieben:

„Du sagst: ich liebe dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es wissen.“ (Martin Buber)

Wenden wir das jetzt auf uns selbst an, heißt es: wenn wir uns „selbst lieben“, uns liebevoll freundlich gegenüber sind, geht es auch darum zu sehen, was uns fehlt, was uns leiden lässt.
„Selbstliebe“ ist damit nicht ein „sich mit sich wohlfühlen“ oder „es sich nett machen“. Es bedeutet vielmehr sich auch dem eigenen „Leid“ zu stellen und zu erfahren, was einem fehlt.

Und daraus entsteht wieder die Möglichkeit liebevolle Freundlichkeit für andere zu entwickeln oder zu stärken. Mit liebevoller Freundlichkeit können wir dann tatsächlich, wie einer meiner Lehrer (Frits Koster) gesagt hat, uns auf den Bereich des „Glücksthermometers“ einschwingen. der „über Null“ liegt und auch andere dabei unterstützen in diesen Bereich zu kommen.

Und in der Kolumne hat die Autorin die Gefahr der Übersteigerung der liebevollen Freundlichkeit dargestellt, das Anhaften an dem Wunsch „mir muss es gut gehen“ und die Abhängigkeit davon. Das ist dann nicht McMindfulness sondern McLovingkindness. Und dieses Anhaften steht dann auch im Zusammenhang mit Egozentrik.

Und was hat das mit dem Beruf und dem Arbeitsalltag zu tun? Liebevolle Freundlichkeit ist das Gegenteil von und das Heilmittel für „Ablehnung“, „Hass“ und „Groll“. Und daraus ergeben sich zwei Ansätze im beruflichen Alltag.

Einerseits zu schauen, welches „Leid“ entsteht mir oder leichter formuliert, was fehlt mir bei meiner Arbeit, um zufrieden, sozusagen über Null beim Glücksthermometer zu sein. Vielleicht auch die Frage zu stellen, wie schaffe ich es, meiner Rolle im Job gerecht zu werden? Und bei diesem Schauen dennoch freundlich mit mir zu bleiben.
Andererseits Kolleg*Innen und Mitarbeitenden liebevolle Freundlichkeit zu geben, die gerade im Stress sind , die Projekte oder Aufgaben gerade „ablehnen“ oder „Groll hegen“ gegen Kund*Innen oder Lieferant*Innen.

Zum Einüben der liebevollen Freundlichkeit ist eine der klassischen Übungen, die sogenannte Metta Meditation. Unter dem Link findet Ihr eine kleine Übung Mitgefühl und liebevolle Freundlichkeit für Euch einzuüben.

Atemraum mit Mitgefühl

Zum Abschluss noch eine Information in eigener Sache, am 14.01.2021 startet die neue 6 wöchige Workshop Reihe „Heartful Inner Work“ als Einführung zu Achtsamkeit und Mitgefühl am Arbeitsplatz.

Weitere Information und die Möglichkeit der unverbindlichen Anmeldung hier.
Heartful Inner Work

Euer Oliver

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