Ich denke, Du bist so achtsam….

Nur mit Demut lernt man Menschen achten

Fred Allmen, Schweizer Meditationslehrer

Mein letzter Blogeintrag ist jetzt schon eine Weile her. Und natürlich ist in dieser Zeit einiges passiert. Ein MBSR Kurs und der erste Kurs „Heartful Inner Work“ sind zu Ende gegangen. Drei weitere Kurse „Heartful Inner Work“ mit in Summe mehr als 40 Teilnehmenden sind gestartet. Im Frühsommer startet eine neue Ausbildungsrunde „Heartful Leadership“.
Die Arbeit mit all diesen Menschen und Ihr Interesse am Thema Achtsamkeit macht mir viel Freude.

In diesen Kursen, gepaart mit meinen eigenen Erfahrungen, ist das Thema dieses Blogs geboren. Falls Ihr praktiziert oder gerade anfangt zu praktizieren, kennt Ihr vielleicht den Satz im Titel in der einen oder anderen Form. Ich habe ihn von Anderen als „ Ich denke Du bist Achtsamkeitslehrer,…“ oder als „Von jemandem der sich soviel mit Achtsamkeit befasst, hätte ich das nicht erwartet…“. Und in Kursen gibt es dann Aussagen wie, „Jetzt wollte ich achtsam sein, und es hat wieder nicht geklappt…“, „Jetzt wollte ich üben und habe wieder keine Zeit gefunden.“

Egal wer es sagt, ob eine Dritte /ein Dritter oder der/die  eigene innere Kritiker/Kritikerin, wir fühlen uns erstmal verletzt oder nicht gesehen oder mindestens nicht gut.  In der Regel ist ja mit dem „nicht achtsam sein“ ein Verhalten verbunden, welches wir eigentlich nicht zeigen oder haben wollen. Und doch ist es passiert. Das liegt einfach daran, dass wir Menschen sind. Achtsam sein, heißt auch mitfühlend mit seinen eigenen Fehlern und den Fehlern der Anderen umgehen.  Und es heißt nicht umsonst Achtsamkeitspraxis, da steckt drin, wir üben achtsam zu sein und beim Üben können wir scheitern, und wir können das erkennen und uns z.B. entschuldigen und das Verhalten versuchen zu korrigieren. Ein Achtsamkeit übendes Gegenüber wird das dann auch bemerken, und der eigene Spiegel auch.  Wir sollten unsere „Defizite“ als Übungsfelder und Möglichkeiten sehen. Und diese Momente als Chance sehen, zu schauen, was es ist, was uns gerade hindert. 

Und das, was uns hindert, findet sich (häufig) wieder in den sogenannten fünf Hindernissen (im Buddhismus die fünf Skandhas, wer weiter nachlesen will). Diese hindern uns am Üben der Achtsamkeit, sie hindern uns in der Meditation und sie hindern uns im Alltag und zu guter Letzt fühlen sie sich auch nicht gut an. 

Diese Hindernisse  sind 

  • Verlangen (etwas – unbedingt – haben wollen), 
  • Abneigung – Ärger – Hass (etwas -unbedingt – nicht wollen), 
  • Stumpfheit und Mattheit (keine Energie haben), 
  • Ruhelosigkeit und Sorge (nicht aushalten können) und 
  • Zweifel (skeptisch sein, das bringt doch nichts).  

Zu jedem der Hindernisse und auch zum Umgang mit ihnen gibt es viel zu sagen. Eines ist jedoch allen gemeinsam und vielleicht hilfreich: Erkennen welche Hindernisse, jetzt gerade besonders aktiv werden wollen und ihnen dann annehmend und mit Freundlichkeit begegnen. Und natürlich sind die vier Lebensfreunde, die hier im Blog auch schon Thema waren,  eine gute Unterstützung. 

Eine gute Gelegenheit den Umgang mit den Hindernissen zu üben, ist die Meditation. Denn dort treten sie auch immer wieder auf. „ich will jetzt lieber was anderes tun“ – „das ist langweilig, wann ist es vorbei“ – „ich kann nicht mehr sitzen“ – „ ich kann mich nicht konzentrieren“  – „das bringt doch alles nichts“. Und dann „einfach“ damit sitzen und wenn Sie uns wieder mal in die Quere kommen, sie willkommen heißen, denn wie Rumi sagt: „sie sind vielleicht geschickt aus einer anderen Welt um uns auf Anderes vorzubereiten.“

Und wenn wir bei Anderen, den KollegInnen , dem Partner oder der Partnerin, den FreundInnen, in der Familie das Auftreten der Hindernisse bemerken, dann hilft das, was Fred Allmen gesagt hat: Demut. Und die Erkenntnis von gemeinsamer Menschlichkeit. „Er oder Sie ist ein Mensch, genau wie ich“.

Und dieser letzte Satz ist auch die Übung für dieses Mal.

Wenn wir Dinge an uns oder Anderen bemerken, die uns nicht gefallen, sich vielleicht zuerst einmal mit dem Menschen verbinden. Vielleicht mit Sätzen wie diesen:

Er oder Sie hat Gefühle und Gedanken, genau wie ich.
Er oder Sie hat Bedürfnisse und Wünsche, genau wie ich.
Er oder Sie  möchte sicher sein, genau wie ich.
Er oder Sie möchte zufrieden und glücklich sein , genau wie ich.
Er oder Sie möchte sich verbunden fühlen, genau wie ich. 
Dieser Mensch möchte in Frieden leben, genau wie ich. 

Und dann kannst Du Dir und diesem Menschen noch einen oder mehrere mitfühlende Wünsche senden.

Die Übung stammt in etwas erweiterter Form als Meditation von Sharon Salzberg und ich finde sie wirklich hilfreich.

Eine Gelegenheit diese Übung intensiver kennenzulernen ist am nächsten Donnerstag Abend (25.03.2021, um 19:00) bei meiner monatlichen Heartfulness Meditation.

Ich freue mich über Anmeldungen, eine spontane Teilnahme ist jedoch auch möglich.

Anmeldung über die Kontaktseite oder direkt mit dem Link zur Teilnahme:

https://fairmeeting.net/HeartfulnessMeditation

Alle Gute und Liebe

Oliver

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: